Die Intentions-Verhaltens-Lücke beschreibt das Phänomen, dass eine gefasste Absicht (Intention) oft nicht ausreicht, um ein tatsächliches Zielverhalten auszulösen. In den Quellen werden verschiedene Faktoren analysiert, die erklären, warum diese Lücke entsteht und wie sie durch Interventionen überbrückt werden kann:

Gewohnheiten als Barriere

Ein zentraler Grund für die Lücke ist die Macht von Gewohnheiten, insbesondere bei häufig wiederholtem Verhalten in stabilen Kontexten (z. B. Mobilitätswahl oder Duschverhalten).

  • Für Verhaltensweisen, die täglich oder wöchentlich ausgeführt werden, sinkt der Einfluss der Intention, während der Einfluss automatischer Gewohnheiten steigt.
  • Starke Gewohnheiten wirken als Moderator, der die Verbindung zwischen Absicht und Handeln schwächt.
  • Selbst wenn eine Person die bewusste Absicht zur Änderung hat, lösen kontextuelle Reize (Cues) weiterhin das alte, automatisierte Verhaltensmuster aus.

Fehlende Bedingungen im COM-B-Modell

Das COM-B-Modell verdeutlicht, dass Intention allein (als Teil der reflektiven Motivation) nur eine von drei notwendigen Voraussetzungen für Verhalten ist.

  • Capability (Fähigkeit): Es kann an psychologischer Kapazität fehlen, wie z. B. dem Wissen über das „Wie“ oder der Aufmerksamkeit, sich im entscheidenden Moment an die Absicht zu erinnern.
  • Opportunity (Gelegenheit): Externe Barrieren in der physischen Umgebung oder im sozialen Kontext können die Ausführung behindern, selbst wenn die Motivation hoch ist. So kann Zeitmangel eine physische Barriere darstellen, die die Umsetzung von Ratschlägen verhindert.

Wahrgenommene Verhaltenskontrolle (PBC)

Die wahrgenommene Verhaltenskontrolle beeinflusst das Verhalten sowohl indirekt über die Intention als auch direkt.

  • Wenn Menschen sich nicht fähig fühlen, eine Handlung auszuführen, oder glauben, keine Kontrolle über die Situation zu haben, wird die Intention nicht in Verhalten umgesetzt.
  • Interventionen müssen daher oft nicht nur die Einstellung (Attitüde) ändern, sondern konkret die Selbstwirksamkeit stärken.

Stabilität von Normen vs. Intentionen

Während Intentionen und Einstellungen schwanken können, gelten persönliche Normen (das Gefühl einer moralischen Verpflichtung) als stabiler.

  • Integrierte Modelle zeigen, dass persönliche Normen ihren Einfluss auf das Verhalten primär über die Intention ausüben.
  • Interventionen, die auf stabilen persönlichen Werten und Normen aufbauen, können daher langfristig helfen, die Lücke zu schließen, benötigen aber oft zusätzliche „Erinnerungshilfen“ in der konkreten Situation.

Basiswerte nach Schwartz

Strategien zur Überwindung der Lücke

Um die Intentions-Verhaltens-Lücke zu schließen gibt es folgende Ansätze:

  • Kontextänderung: Umgebungsfaktoren so verändern, dass alte Gewohnheitsreize deaktiviert werden.
  • De-Habitualisierung: Gezielte Techniken zum Durchbrechen alter Routinen.
  • Very Brief Advice (VBA): Kurze, strukturierte Handlungsanweisungen (z. B. „Ask, Advise, Act“), die dem Individuum helfen, direkt von der Absicht zur Tat zu kommen.
  • Zielsetzung und Verpflichtung: Das Setzen konkreter Verhaltensziele (z. B. mit der Formulierung „Ich werde…“) in Verbindung mit einer persönlichen Verpflichtung (Commitment) erhöht die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung.