Die Schwartz-Theorie der grundlegenden menschlichen Werte beschreibt eine universelle Struktur von Werten, die in fast allen Kulturen anerkannt werden. Werte werden dabei als wünschenswerte, transsituative Ziele definiert, die als leitende Prinzipien im Leben eines Menschen dienen.

Die sechs Merkmale von Werten

  1. Gekoppelt an Affekt: Wenn Werte aktiviert werden, sind sie mit Gefühlen verbunden (z. B. Freude bei Erreichung, Erregung bei Bedrohung).
  2. Motivationale Basis: Sie beziehen sich auf erstrebenswerte Ziele, die Handlungen motivieren.
  3. Situationsübergreifend: Im Gegensatz zu Normen oder Einstellungen gelten Werte unabhängig von spezifischen Aktionen oder Situationen.
  4. Standards/Kriterien: Sie dienen als Maßstab zur Bewertung von Personen, Ereignissen und politischen Maßnahmen.
  5. Hierarchische Ordnung: Individuen ordnen Werte nach ihrer relativen Wichtigkeit in einem System von Prioritäten.
  6. Handlungssteuerung: Das Abwägen zwischen konkurrierenden Werten beeinflusst letztlich die Einstellung und das Verhalten.

Die zehn grundlegenden Werte

Die Theorie identifiziert zehn motivationale Wertetypen, die auf universellen Anforderungen der menschlichen Existenz (biologische Bedürfnisse, soziale Interaktion, Überleben der Gruppe) basieren:

  • Selbstbestimmung (Self-Direction): Unabhängiges Denken und Handeln; Wählen, Kreieren, Erforschen.
  • Stimulation: Aufregung, Neuheit und Herausforderung im Leben.
  • Hedonismus (Hedonism): Vergnügen oder sinnliche Dankbarkeit für sich selbst.
  • Leistung (Achievement): Persönlicher Erfolg durch das Demonstrieren von Kompetenz nach sozialen Standards.
  • Macht (Power): Sozialer Status, Prestige, Kontrolle oder Dominanz über Menschen und Ressourcen.
  • Sicherheit (Security): Sicherheit, Harmonie und Stabilität der Gesellschaft, der Beziehungen und des Selbst.
  • Konformität (Conformity): Zurückhaltung von Handlungen oder Impulsen, die andere verletzen oder soziale Normen verletzen könnten.
  • Tradition: Respekt und Akzeptanz der Bräuche und Ideen, die die eigene Kultur oder Religion vorgibt.
  • Güte/Benevolenz (Benevolence): Erhaltung und Verbesserung des Wohlergehens derer, mit denen man in häufigem persönlichem Kontakt steht (Eigengruppe).
  • Universalismus (Universalism): Verständnis, Wertschätzung, Toleranz und Schutz für das Wohlergehen aller Menschen und der Natur.

Die kreisförmige Struktur und Dimensionen

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Ein Kernaspekt der Theorie ist, dass diese Werte eine kontinuierliche, kreisförmige Struktur bilden, die Konflikte und Vereinbarkeiten widerspiegelt. Benachbarte Werte im Kreis haben ähnliche motivationale Grundlagen, während sich gegenüberliegende Werte widersprechen.

Diese Struktur lässt sich in zwei bipolare Dimensionen unterteilen:

  1. Offenheit für Wandel vs. Bewahrung (Openness to Change vs. Conservation): Konflikt zwischen Werten, die Unabhängigkeit und Veränderung betonen (Selbstbestimmung, Stimulation), und Werten, die Ordnung und Widerstand gegen Wandel betonen (Sicherheit, Konformität, Tradition).
  2. Selbstüberhöhung vs. Selbsttranszendenz (Self-Enhancement vs. Self-Transcendence): Konflikt zwischen dem Streben nach Eigeninteressen und Macht (Macht, Leistung) und der Sorge um das Wohlergehen anderer (Universalismus, Güte).

Dynamische Prinzipien

Zusätzlich zur motivationalen Kontinuität wird die Struktur durch das Verhältnis zu Angst organisiert:

  • Wachstums- oder angstfreie Werte: Diese drücken Motivationen aus, die frei von Angst sind (z. B. Selbstbestimmung, Universalismus, Güte).
  • Selbstschutz- oder angstbasierte Werte: Diese dienen der Bewältigung von Angst durch die Vermeidung von Konflikten oder den Erhalt der Ordnung (z. B. Konformität, Tradition, Sicherheit, Macht).

Trotz individueller Unterschiede in den Wertprioritäten existiert eine überraschende pan-kulturelle Hierarchie, in der Werte wie Güte, Universalismus und Selbstbestimmung meist am wichtigsten eingestuft werden, während Macht und Stimulation oft am wenigsten wichtig sind.

Quelle

Schwartz, S. H. (2012). An Overview of the Schwartz Theory of Basic Values. Online Readings in Psychology and Culture, 2(1), Artikel 1123. https://doi.org/10.9707/2307-0919.1116