SYMLOG ist ein Akronym für „A System for the Multiple Level Observation of Groups“. Dieses sozialpsychologische Beobachtungssystem dient der Analyse und Entwicklung von Kleingruppen, wobei die Wechselbeziehungen zwischen den beteiligten Personen im Fokus stehen.

Die drei Dimensionen des SYMLOG-Modells

Das Kernstück von SYMLOG ist ein dreidimensionaler Raum (das „Globusmodell“), in dem jedes interpersonelle Verhalten, vermittelte Inhalte und zugrunde liegende Wertvorstellungen verortet werden können. Diese Dimensionen sind:

  • U-D-Dimension (Upward-Downward): Sie misst den Grad der Dominanz vs. Unterordnung. Ein „U“-Verhalten ist aktiv, einflussnehmend und steuernd, während ein „D“-Verhalten passiv und unterordnend wirkt.
  • P-N-Dimension (Positive-Negative): Sie beschreibt die Freundlichkeit vs. Unfreundlichkeit. „P“ steht für kooperatives, gruppenförderliches Verhalten, „N“ für selbstbezogenes, unfreundliches oder abgrenzendes Agieren.
  • F-B-Dimension (Forward-Backward): Diese Achse misst die Aufgabenorientierung vs. Nonkonformismus. „F“ kennzeichnet ein konformes, regelakzeptierendes Verhalten gegenüber Autorität und Arbeitserfordernissen, während „B“ für emotional-spontanes oder nonkonformes Verhalten steht.

Visualisierung im Felddiagramm

Da eine dreidimensionale Darstellung komplex ist, wird in der Praxis meist ein zweidimensionales Felddiagrammgenutzt. Die Achsen bilden die P-N- und die F-B-Dimension ab, während die Dominanz (U-D) durch die Größe von Kreisen visualisiert wird: Je größer der Kreis eines Gruppenmitglieds, desto dominanter wird es wahrgenommen.

Erhebungsmethoden und Analyseebenen

SYMLOG ermöglicht eine Beobachtung auf mehreren Ebenen (Multilevel-Ansatz):

  1. Verhaltensebene (ACT/NON): Erfassung von verbalen und nonverbalen Handlungen.
  2. Inhaltsebene: Worüber wird gesprochen (Selbst, Andere, Gruppe, Situation etc.).
  3. Werteebene (PRO/CON): Welche Werthaltungen werden gegenüber den Inhalten geäußert.

Für die Datenerhebung stehen zwei Verfahren zur Verfügung: Die Interaktionssignierung (Akt-für-Akt-Protokollierung durch Beobachter) und die ökonomischere Rating-Methode (retrospektive Beurteilung mittels Adjektivlisten oder Wertaussagen).

Diagnostischer Nutzen in der Teamentwicklung

Das System wird häufig in der Organisationsentwicklung eingesetzt, um die „Kultur der Zusammenarbeit“ zu diagnostizieren. Ein wichtiges Hilfsmittel ist die Polarisations-Unifikations-Schablone. Sie hilft dabei, Subgruppen (Kerne), Außenseiter, potenzielle Sündenböcke oder vermittelnde Rollen (Leader-Mediatoren) innerhalb einer Gruppe zu identifizieren.
Zudem lassen sich durch einen Vergleich von Selbstbild und Fremdbild Wahrnehmungsdifferenzen aufdecken und für Feedbackprozesse nutzen. In der Teamentwicklung werden SYMLOG-Daten auch genutzt, um Rollenkonflikte (z. B. zwischen 9 Belbin-Teamrollen) zu analysieren.

Quellen

Bales, R. F. (1970). Personality and interpersonal behavior. Holt, Rinehart & Winston.

Bales, R. F. (1999). Social interaction system: Theory and measurement. Transaction.

Bales, R. F., & Cohen, S. P. (1982). SYMLOG – ein System für die mehrstufige Beobachtung von Gruppen (J. Schneider & P. Orlik, Übers.). Klett-Cotta. (Originalwerk veröffentlicht 1979).

Heinze, F., & Farwer, H. (2012). Beobachtung mit SYMLOG. In C. Schiersmann & H.-U. Thiel, Organisationsentwicklung: Prinzipien und Strategien von Veränderungsprozessen (4. Aufl., S. 600–625). Springer VS.

Schneider, J. F. (2000). Methodische Weiterentwicklung der Kodier- und Ratingmethode: Bericht über die Forschungsarbeiten der Saarbrückener Gruppe. In D. Wälte & F. Kröger (Hrsg.), Interaktionsforschung mit dem SYMLOG-Methodeninventar: Theorie und Praxis (S. 150–165). Frankfurt a. M.