Eine Netzwerkanalyse (oder Netzwerkintervention) nutzt Daten über soziale Beziehungen, um Verhaltensänderungen zu beschleunigen, die organisatorische Leistung zu verbessern oder soziale Einflüsse gezielt zu steuern. Sie basiert auf der Untersuchung von Knoten (Individuen oder Organisationen) und deren Verbindungen (Links) zueinander.
Identifikation einflussreicher Individuen
Hierbei werden mathematische Algorithmen genutzt, um Personen mit bestimmten Netzwerkeigenschaften zu finden, die als „Champions“ oder Meinungsführer fungieren können. Wichtige Konzepte sind dabei:
- Zentralitätsmaße: Es wird unterschieden, wer die meisten Nominierungen erhält (In-Degree), wer alle anderen am schnellsten erreichen kann (Closeness Centrality) oder wer eine kritische Wächterfunktion zwischen Gruppen einnimmt (Betweenness Centrality).
- Broker und Brücken: Diese Personen verbinden lose oder gar nicht verbundene Gruppen und sind oft effektiver für die Verbreitung neuer Ideen als rein interne Meinungsführer.
Segmentierung (Gruppenbildung)
Anstatt Einzelpersonen anzusprechen, identifiziert diese Strategie Gruppen oder Cliquen innerhalb des Netzwerks. Die Intervention wird dann gleichzeitig an das gesamte Team oder den Standort gerichtet. Dies ist besonders wichtig bei Verhaltensweisen, die eine gegenseitige Abhängigkeit aufweisen.
Induktion (Anregung von Interaktionen)
Diese Strategie stimuliert die Interaktion zwischen Peers, um Kaskaden von Informationsflüssen auszulösen.
- Word-of-Mouth (WOM): Gezielte Anregung von Mundpropaganda.
- Respondent-Driven Sampling (RDS): Auch bekannt als Schneeballverfahren, bei dem Individuen Mitglieder ihres eigenen Netzwerks rekrutieren, um an einer Intervention teilzunehmen.
Alteration (Netzwerkveränderung)
Hierbei wird das Netzwerk aktiv verändert, um die Effizienz zu steigern. Dies geschieht durch:
- Hinzufügen oder Löschen von Knoten: Einsetzen von externen Beratern oder Entfernen von Knoten, die den Informationsfluss behindern (z. B. in der Kriminalitätsbekämpfung).
- Neuverkabelung (Rewiring): Bestehende Verbindungen werden geändert, um beispielsweise den Austausch zwischen zwei isolierten Abteilungen zu erzwingen.
Anwendung in der Stakeholderanalyse
Im Projektmanagement hilft die Netzwerkanalyse dabei, über die rein formale Hierarchie hinaus die tatsächliche soziale Macht zu erkennen. So lassen sich Schlüssel-Stakeholder (A-Stakeholder) identifizieren, die als Meinungsführer fungieren und deren Unterstützung für den Projekterfolg entscheidend ist.