COM-B als Kern der Verhaltensdiagnose
Das Modell geht davon aus, dass für jedes Verhalten drei wesentliche Bedingungen erfüllt sein müssen, die miteinander interagieren:
- Capability (Fähigkeit): Die individuelle psychologische (Wissen, Verstand) und physische (Fertigkeiten) Kapazität, eine Aktivität auszuführen.
- Opportunity (Gelegenheit): Alle Faktoren außerhalb des Individuums (physische Umgebung oder sozialer Kontext), die das Verhalten ermöglichen oder fördern.
- Motivation: Alle Gehirnprozesse, die Verhalten anregen und lenken, unterteilt in reflektive (Pläne, Evaluationen) und automatische Prozesse (Emotionen, Impulse, Gewohnheiten).
Einordnung in das Behaviour Change Wheel (BCW)-Framework
Im BCW-Prozess fungiert das COM-B-Modell als Diagnosetool, um festzulegen, welche „Schraube“ gedreht werden muss, um eine Veränderung zu erreichen:
- Zentrum: COM-B steht in der Mitte des Rades (die Nabe).
- Interventionsfunktionen: Der mittlere Ring des Rades (z. B. Ausbildung, Zwang, Umgebungsgestaltung) wird basierend auf der COM-B-Diagnose ausgewählt. Wenn beispielsweise die „Gelegenheit“ fehlt, ist „Umgebungsgestaltung“ eine logische Interventionsfunktion.
- Techniken (BCTs): Die kleinsten Bausteine einer Intervention (BCTs) werden schließlich so gewählt, dass sie gezielt die identifizierten COM-B-Defizite adressieren.
Verbindung zu Change Management Interventions (CMI)
In der Organisationsforschung wird ein sehr ähnliches Konzept verwendet, um die Wirkung von CMI zu erklären: das A-M-O-Modell (Ability, Motivation, Opportunity).
- CMIs wie Schulungen (Training) zielen primär auf die Steigerung der Fähigkeiten (Abilities/Capability) ab.
- CMIs wie Einbeziehung (Involvement) oder Verstärkung (Reinforcement) wirken vor allem auf die Motivation.
- CMIs wie organisatorische Unterstützung oder sozialer Einfluss schaffen die notwendigen Gelegenheiten (Opportunities).
Change Management Interventions (CMI)
Quelle
Michie, S., van Stralen, M. M., & West, R. (2011). The behaviour change wheel: A new method for characterising and designing behaviour change interventions. Implementation Science, 6(42), 1–11. https://doi.org/10.1186/1748-5908-6-42