Die Laboratoriumsmethode (auch Sensitivity Training oder T-Gruppen genannt) ist eine von Kurt Lewin entwickelte Methode des Erfahrungslernen, die Menschen helfen soll, effektiver mit komplexen menschlichen Beziehungen und Problemen umzugehen.

Aufbau und Ablauf

  1. Gruppensetting:
    • Mehrere Personen arbeiten für eine bestimmte Zeit in einer unstrukturierten Gruppe („Stranger-Groups“: keine gemeinsame Vergangenheit/Zukunft) zusammen.
    • Keine Führungsrolle durch Trainer, keine Tagesordnung, keine vorgegebenen Themen → spontanes Verhalten wird gefördert.
  2. Lernprinzipien:
    • Hier-und-Jetzt-Prinzip: Nur aktuelle Vorgänge in der Gruppe werden thematisiert (keine Diskussion über Vergangenheit/Zukunft).
    • Feedback: Teilnehmer geben sich gegenseitig Rückmeldung, wie sie einander erleben. Ziel: Bewusstmachen der eigenen Wirkung auf andere.
    • Erfahrungslernen: Das Erleben und Verhalten in der Gruppe selbst ist das Lernmaterial.
  3. Veränderungsprozess nach Lewin 3-Phasen Modell:
    • Auftauen (Unfreezing): Durch Feedback werden verfestigte Verhaltensweisen aufgebrochen und für Reflexion zugänglich gemacht.
    • Verändern (Changing): Ausprobieren neuer Verhaltensweisen in der Gruppe.
    • Einfrieren (Refreezing): Neue Verhaltensweisen stabilisieren sich in der Gruppe.

Ziel und Bedeutung

  • Ziel: Entwicklung von sozialer Kompetenz (z. B. Teamfähigkeit, Konfliktmanagement) durch selbsterfahrungsbasiertes Lernen.
  • Historische Bedeutung:
    • T-Gruppen galten als „mächtigstes Instrument“ zur Veränderung von Menschen, Gruppen und Organisationen (Greiner & Cummings, 2004).
    • Heute kaum noch in der OE eingesetzt, da sich neu gelernte Verhaltensweisenunter Fremden schwer auf die Arbeitsrealität übertragen lassen.

Quelle

Lewin, K. (1947). Frontiers in group dynamics: Concept, method and reality in social science; social equilibria and social change. Human Relations, 1(1), 5–41. https://doi.org/10.1177/001872674700100103